Die Besonderheiten des ADHS-Gehirns

Das kreative Chaos

ADHS ist eine besondere Art zu sein und das bedeutet, dass das Gehirn nicht schlechter Arbeit als andere Hirne, aber eben anders und es ist gut die Gebrauchsanweisung dafür zu kennen, um  die Genialität und Besonderheiten dieses Gehirns nutzen zu können. Ja, es hat wirklich geniale Fähigkeiten, die sich aber noch nicht jedem Besitzer sofort erschließen, aber daran kann man ja arbeiten…….Also nun erst einmal zu den Schwierigkeiten bei der Nutzung des ADHS-Gehirns: es funktioniert nicht immer, wenn es soll oder man es braucht. So hat es z.B. die Eigenschaft, dass es besonders gut arbeitet, wenn eine Tätigkeit Spaß macht oder eine spannende Belohnung winkt. Dann kann das ADHS-Gehirn zur

wahren Hochform auflaufen und Berge versetzen, denn es hat die Eigenschaft zu hyperfocussieren. Damit ist gemeint, dass es sich unglaublich gut auf eine Tätigkeit konzentrieren kann, wenn diese spannend und interessant ist und diese sich im Fernrohrblick der eigenen Interessen befindet. Alles was dann in diesem Interessen-Fernrohr erscheint, wird genau wahrgenommen, hochkonzentriert verarbeitet und die Zeit scheint dann wie im Flug zu vergehen. Einen solchen Zustand nennt man Flow und er ist die wahre Kreativität. Während dieses Flows ist eine mühelose Konzentration möglich und die Welt außerhalb dieses Focus wird vergessen. Das kann so weit gehen, dass sogar Hunger, Durst oder andere Bedürfnisse, aber auch andere Menschen ausgeblendet werden können.  In diesen Phasen kann das ADHS-Gehirn Höchstleistungen erbringen, nur leider sind diese nicht abrufbar, sondern sie passieren einfach, wenn die Aufmerksamkeit durch große Motivation und enormes Interesse gefesselt wird.

Ganz anders sieht es nun für Tätigkeiten aus, die Ihnen keinen Spaß und keine Belohnung verheißen. Dann kann das ADHS-Gehirn sich völlig verweigern und selbst kleine Verpflichtungen werden dann zum unüberwindbaren Hindernis, weil sich Prokastination ( Aufschieberitis) und Trägheit einstellen. Dies kann sich bis zu einer Denkblockade steigern. Das ist dann die Geschichte mit dem riesigen inneren Schweinhund und der Motivationsstörung. ADHS-ler beherrschen es leider oft in Perfektion Meister der Selbstausreden zu sein und unangenehmen Pflichten  und Aufgaben immer wieder heraus zu schieben und sich immer wieder vor unangenehmen Situationen zu drücken. Das schafft auf Dauer ziemlich Ärger mit den Mitmenschen, die nicht begeistert davon sind immer wieder die unangenehmen Dinge tun zu müssen, während der ADHS-ler sich auf die Dinge konzentriert, die ihnen Spannung, Abwechslung und Annehmlichkeiten verheißen. Auf die Dauer sichert man sich allerdings so nicht die Sympathien seiner Mitmenschen. Diese können nämlich nicht verstehen, warum ADHS-ler so viel können, wenn sie wollen und oft rein gar nicht in die Gänge kommen, wenn es um die alltäglichen Routinearbeiten und Pflichten geht.

Wichtig ist es für Betroffene, dass sie ADHS nicht als Ausrede benutzen, sondern  an den eigenen Schwierigkeiten arbeiten und wachsen. Überhaupt ist es besser, wenn man hier nicht von Schwierigkeiten reden, sondern von Herausforderungen um etwas Neues über sich und das Leben zu lernen!

Was kann man also lernen, wenn es um die Nutzung des ADHS-Gehirns geht?

Zuerst geht es darum diesen Floweffekte zu nutzen. Dazu ist es allerdings notwendig vorher den nahestehenden Mitmenschen eine Erklärung dazu abgeben wie z.B: “ ich brauche jetzt eine ungestörte Zeit und bitte stört mich da nicht. Es kann sein, dass ich da wenig anderes mitbekomme..“, Natürlich gilt es diesen Flow zeitlich eingrenzen, denn man kann ja nicht von den anderen uneingeschränktes Verständnis dafür erwarten, dass man sich ausschließlich mit den eigenen Geistesblitzen beschäftigt. Wenn man diese Phase hat, sollte man versuchen alles andere zurück zu stellen und diesen Zustand auszunutzen, indem man diese Geistesblitze schriftlich fest hält.

Wichtig ist es auch spontane Einfälle und Gedanken zu ernten, die in den unmöglichsten Situationen kommen können. Das ADHS-Gehirn kann wirklich unglaubliche Ideen haben, aber sie kommen zufällig und nebenbei und wenn man sie nicht schriftlich festhält, sind sie genauso schnell wieder weg, wie sie gekommen sind. Und das ist dann ja ein Jammer. Irgendwann können sie durchaus auch aus der Tiefe des Universums auftauchen, nur weißt man nicht wann und ob und es kann sein, viel später, als man sie gebraucht hätte.

Also ganz wichtige Regel für das ADHS Gehirn: alles, was ihnen an guten Gedanken kommt, sofort aufschreiben oder aufs Handy diktieren, sonst sind sie ganz schnell vergessen. Schreiben sie auch kleine Ideen auf, die ihnen spontan kommen, wie Dinge, die sie noch einkaufen müssen, Geburtstagsgeschenke und Telefonate, die sie noch erledigen müssen. Die Kunst ist es die Gedanken immer auf eine bestimmte Art zu sammeln, sei es mit Post-it Aufklebern oder Handyerinnerungen und diese dann z.B abends bestimmten Listen und bestimmten Projekten zuzuordnen. Das Gehirn arbeitet so nebenbei und Sie werden sich wundern, wie viel ihnen den ganzen Tag über einfällt. Es gilt bei einem ADHS-Gehirn immer: vom “ Chaos in die Struktur“ zu kommen. Das bedeutet, dass Sie all die vielen guten Gedanken, die Sie haben, festhalten, sortieren, zuordnen und dann abarbeiten. Wenn Sie sich daran gewöhnen, werden Sie erstaunt sein, wie leicht ihnen das fällt, wenn sie bestimmte Projekte wie kleine Puzzleteilen zu einem Gesamtbild zusammensetzen können. Wenn Sie ihre Gedanken ordnen und zuordnen, entsteht so oft etwas Großartiges, aber wenn Sie vor einem leeren Blatt sitzen und anfangen wollen etwas zu arbeiten oder zu entwickeln, dann entsteht oft diese gähnende Leere im Hirn. Das ADHS-Gehirn ist ein Revoluzzer und es lässt sich nur höchst ungern zu etwas zwingen, höchstens auf den letzten Drücker. Das Gedankenernten und Sortieren setzt aber Selbstdisziplin voraus und dass Sie immer die entsprechenden Utensilien dabei haben wie: Stifte, Notizblock oder Klebezettel, Handy oder Diktiergerät und dass Sie diese regelmäßig anwenden..

Jetzt kommt noch eine andere wichtige Eigenschaft des ADHS Gehirns hinzu, nämlich, dass es sich sehr oft langweilt und dann einfach spazieren geht. Es hört zu, was andere gerade am Nebentisch sagen oder an der Ampel kommt gerade ein guter Gedanken. Auch hier geht es darum heraus zu finden, was ein guter Gedanke ist und diesen festzuhalten, während bei dem Gespräch am Nebentisch eine Erinnerung gut wäre, dass Freunde beleidigt sein könnten, wenn sie nicht wissen was gerade am eigenen Tisch erzählt wird. Es ist wirklich unglaublich, dass neben all dem Schrott, den ein ADHS Gehirn denkt und von dem es sich ablenken lässt, auch immer ganz tolle Ideen dabei sind.

Wichtig ist hier auch darauf hinzuweisen, dass ADHS-ler Reizüberflutung und Störfaktoren, wann immer es möglich ist, vermeiden sollten. Jede Ablenkung und jeder neuer Reiz verschlechtert die Konzentration, wenn die aktuelle Tätigkeit nicht gerade superspannend ist. Je mehr Ablenkung und Reize da sind, desto mehr Informationen werden von dem ADHS-Gehirn aufgenommen und müssen bearbeitet und verarbeitet werden. Und jeder neue Reiz schafft auch mehr Ablenkung. Aus diesem Grund ist es auch nicht gut mehrere Sachen gleichzeitig zu tun oder zusätzlich Musik zu hören, fernzusehen oder Computer zu spielen. Informationsüberflutung kann zu seinem Datencrash auf der Gehirnfestplatte führen und chaotisches und sprunghaftes Denken weiter verstärken. Das führt auch dazu, dass viel zu viele Infos auf ihrer Gehirnfestplatte landen und ihr Gehirn nun nicht mehr priorisieren kann, was bedeutet, dass es Schwierigkeiten damit hat zu unterscheiden, was wichtig und was unwichtig ist. Das passiert z.B,. beim Internetsurfen, wenn Sie nach einer bestimmten Information suchen und ganz woanders landen. Hier kann es ihnen helfen laut auszusprechen an was Sie arbeiten wollen, bevor sie anfangen zu surfen, bzw. sich genau ihre Fragestellung aufzuschreiben. Es gibt auch hilfreiche Apps wie z.B Vit. K ( leider nur auf englisch), die helfen bei einem Fokus zu bleiben.

Das ADHS-Gehirn hat oft auch Schwierigkeiten mit dem Lernen. Gelerntes wird nicht so gut im Arbeitsspeicher verarbeitet und festgehalten. Das kann damit zusammen hängen, dass zu viel unwichtige Informationen vorhanden ist. Es ist leider so, dass Sie dazu  gezwungen sind mehr als andere zu lernen und vor allem zu wiederholen. Es ist dabei hilfreich das Sie sich das Gelernte laut vorsagen und immer wiederholen. Wichtig für Sie sich bei Prüfungen einen Lernplan zu erstellen und ihn jeden Tag abzuarbeiten.  Und hier gilt auch wieder: „je langweiliger der Stoff, desto schwieriger ist er für Sie ihn zu lernen.

Leider ist es so, dass das Chaos, was auf dem Schreibtisch oder in der Wohnung herrscht, auch klare Gedanken verhindert. Eine aufgeräumte Umgebung hilft auch sich besser zu sortieren und sich auch selbst aufgeräumter zu fühlen.

Meist sind ADHS-ler die spontanen, kreativen Denker und gerade nicht die Analytiker, die ausgefeilt und brillant Projekte zu ende bringen. So kann es für Sie sehr sinnvoll sein, sich mit den Menschen zusammen zu tun, die so denken können und sie können einiges von denen lernen, die strukturiert arbeiten und genau und sorgfältig sind. Es kann eine gute  Kombination sein, sich Menschen zu suchen, die genau in ihren Eigenschaften komplementär sind. Voraussetzung hierfür ist die Toleranz und die Wertschätzung anderer, die anders denken, fühlen und handeln.

Aber leider bleiben immer auch diese langweiligen Pflichten, die täglich getan werden müssen. ADHS-ler können selbst nichtige Tätigkeiten als Schwerstarbeit erleben und Endlosdiskussionen über Sinn oder Unsinn dieser Tätigkeiten führen: nutzt aber nichts und je eher man diese unsäglichen Jobs erledigt, desto eher hat man dann wieder Spaß und Zeit für etwas besseres. Je mehr Sie Energien in die Vermeidung von Pflichten stecken, desto mehr verderben Sie die Laune und es ist verschwendete Energie und Zeit. Am allerbesten ist es für Sie, sich selbst Belohnungen für die getane Arbeite in Aussicht zu stellen Hier gilt leider dieser ätzend langweilige Spruch: „erst die Arbeit und dann das Vergnügen“. Die meisten ADHS-ler sind engagierte Freiheitskämpfer, Anarchos und Weltverbesserer, die sich nicht bevormunden und durch Regeln einschränken lassen wollen. Sie kennen das wahrscheinlich auch, dass Sie nichts mehr hassen, als tägliche Routine, langweilige Tätigkeiten und: „du musst und du sollst“. Selbst als Erwachsene sind oft diese Sätze einfach: „no go“, auch wenn man Sie sie zu sich selbst sagen. Es ist hilfreich, statt sich selbst mit den nervenden Aufforderungssätzen zu motivieren wie: „du musst jetzt endlich“..sagen Sie sich lieber: „es ist besser für mich, wenn ich diese unangenehme Sache gleich erledige und stelle Sie sich selbst eine schöne Belohnung in Aussicht. Überlegen Sie sich, wie Sie sich selbst belohnen können. Mit positiver Verstärkung geht es immer besser als mit Druck und Zwang und sei es auch der eigene. Und wie oft haben Sie auch schon in ihrer  Kindheit diese drohenden Sätze gehört wie: „wenn du jetzt nicht, dann…“

Es gilt auch zu beachten, dass Sie nicht mehrere Sachen gleichzeitig anfangen. Springen Sie nicht von einer Tätigkeit zur anderen, denn es ist immer die Gefahr, dass Sie sich verzetteln. 10 Sachen ein bisschen gemacht, bleibt ein bisschen, eine Sache richtig, macht ein gutes Gefühl! Tun Sie Dinge, die Sie anfangen  konzentriert, richtig und führen Sie sie zu Ende“ Dieser Merksatz ist wichtig, denn er ist ein Schlüssel zum Erfolg. Sie kennen das  auch, dass Sie leider dazu neigen Dinge nur bis zu 80% zu erledigen. Das schafft viel Unmut bei den anderen, die gerne Sachen vollständig abgeschlossen sehen wollen und die sich über Unvollendetes ärgern. So manche großartige Tat von Ihnen, machen Sie selbst wieder zunichte weil Sie diese nicht bis zum Ende durchführen.

Zusammenfassung:
  • Das ADHS-Gehirn kann durch seine Spontaneität und seiner Fähigkeit zur Hyperfocussierung erstaunliche Leistungen erbringen und tolle Ideen haben.
  • In der Routine des Alltags können aber einfache Pflichten erhebliche Schwierigkeiten bereiten. Eine wichtige Taktik zur Nutzung deines ADHS-Gehirn ist das Aufschreiben und das Erstellen von Listen und das Festhalten von guten Einfällen, die bestimmten Projekten zugeordnet werden müssen..
  • Ohne Zettel heißt einfach verzetteln.
  • Bei langweiligen Tätigkeiten versuchen Sie sich mit Belohnungen zu motivieren
  • Vermeiden Sie Ablenkung und Reizüberflutung.
  • Wenden Sie die Regeln regelmäßig an!