Diagnostik-Konzept für ausländische Patienten

AD/HS – Was ist das? Wie geht man damit um?
Ein Diagnostik- und Behandlungskonzept für Patienten aus dem Ausland
 

1. AD/HS-Symptomatik / Ursachen

Bei AD/HS handelt es sich um eine neurobiologische Störung, die durch verschiedene Umgebungseinflüsse (Schule, Familienkonstellation usw.) sowohl positiv wie auch negativ beeinflusst werden kann.
Kein anderes Störungsbild in der Kinder- und Jugendpsychiatrie wird so kontrovers diskutiert und führt zu erheblichen Verunsicherungen bei Eltern, Psychologen und Pädagogen, denen es nicht selten sehr schwer fällt, den Ernst der Symptomatik zu erfassen und eine geeignete Behandlung einzuleiten.
AD/HS (Aufmerksamkeitsdefizitstörung mit Hyperaktivität), früher nur Hyperaktivität genannt, stellt im Kindesalter die häufigste seelische  Störung dar. Man geht davon aus, dass insgesamt
4-7% der Kinder betroffen sind.

Symptome:
 

  • Unruhe, Zappeligkeit bei dem hyperaktiven Typ
  • Verträumt, passiv, langsam und ablenkbar, oft abwesend bei dem unaufmerksamen Typ
  • Konzentrations- und Aufmerksamkeitsstörungen
  • Gedächtnisschwierigkeiten
  • Ungeduld, Aggressivität
  • Lernstörungen
  • Stimmungsschwankungen
  • Impulsivität
  • Chaos, Unordnung, Strukturierungsprobleme
  • Begleiterkrankungen bis zu 80% ( Lese-Rechtschreibstörung, Dyskalkulie, Angst, Depression, Suchterkrankungen, Tic-Erkrankungen)


2.    Behandlung im AD/HS-Zentrum bzw. in den einzelnen Praxen der Praxisgemeinschaft
Dr. A. Alfred, K. W. Heuschen und T. Palloks

Eine Kompakt-Behandlung dauert etwa 2-3 Wochen und beinhaltet folgende Maßnahmen:


a)   Diagnostik


-    Ausführliche Anamnese
-    Verhaltensbeobachtung
-    Beobachtungsbögen
-    Berichte und Schulzeugnisse
-    Vorbefunde
-    Körperliche-neurologische Untersuchung
-    Psychiatrischer Status, neurologische Aspekte
-    Psychologische Testung

b)    Elterntraining

Im Sinne eines multimodalen Therapieangebotes bei der Behandlung einer AD/HS ist unter anderem auch eine spezielle Beratung der Eltern des betroffenen Kindes zu fordern.
In der täglichen Arbeit mit den Eltern zeigt es sich, dass eine große Verunsicherung besteht, die die AD/HS-Diagnose, die möglichen Begleitstörungen und ein geeignetes Therapiekonzept betrifft.
Viele Eltern äußern den Wunsch nach einer intensiven Begleitung und Unterstützung. In unserem Elterntraining kommen wir diesem Bedürfnis entgegen und informieren die Eltern über die Erklärungsmodelle der AD/HS, die Behandlungsoptionen und  hilfreiche erzieherische Maßnahmen. Als besonders hilfreich sind familiensystemische Ansätze, die zur Reflektion eigener Erfahrungen führen und das Familiensystem günstig beeinflussen.

c)    Neurofeedback

Beim Neurofeedback handelt es sich um das modernste, computergestützte Verfahren zur Behandlung von ADS/ADHS. Das Ziel der Neurofeedback-Therapie ist das Sichtbarmachen der Hirnaktivität, die der eigenen Wahrnehmung und der Steuerung normalerweise verborgen bleibt. Durch das Sichtbarmachen am Monitor kann man lernen, wie man seine Hirnaktivität bewusst beeinflussen kann. Das Ziel besteht darin „erwünschte“ Hirnaktivität (=Konzentration)  gezielt zu erzeugen und dabei „unerwünschte“ Hirnaktivität (=Ablenkungsreize) zu unterdrücken. Die erfolgreiche Erzeugung der erwünschten Hirnaktivität wird im Sinne des operanten Lernens durch eine positive Rückmeldung verstärkt.
 Neurofeedback ist ein probates Mittel, um Selbstwirksamkeit und Selbstkontrolle auf schnellste, kinder- und jugendgerechte Art und Weise zu trainieren. Der Transfer dieser Fähigkeiten in das Alltagsgeschehen (Schule, Hausaufgabensituation, Anforderungen im sozialen Umfeld usw.) spielt  dabei eine entscheidende Rolle. Bitte schauen Sie sich unseren Trailer an:
 


 


d) Eventuelle medikamentöse Behandlung

Einem großen Teil der Kinder kann mit Hilfe von geeigneten Medikamenten (Homöopathische Mittel, Omega-Fettsäuren, Methylphenidat und Atomoxetin)   relativ schnell und in einem beachtlichen Ausmaß geholfen werden. Oft sind Medikamente überhaupt erst die Voraussetzung dafür, dass andere therapeutische Maßnahmen greifen können. Doch nicht in jedem Fall muss eine medikamentöse Therapie in Betracht gezogen werden. Die Entscheidung für oder gegen Medikamente kann erst nach sorgfältiger Abwägung des Schweregrads, der bisher durch psychologische bzw. pädagogische Maßnahmen erreichten Fortschritte sowie unter Berücksichtigung der gesamten Lebenssituation des Patienten gefällt werden.

3. Nach Ablauf der  ersten Phase sind mindestens 2 weitere  Kontroll- bzw. Behandlungstermine über 2 Wochen im Abstand von jeweils 6 Monaten wünschenswert