ADHS bei Erwachsenen

ADHS bei Erwachsenen wurde bisher meist nicht erkannt und in ihrer Bedeutung und ihren Auswirkungen vollkommen unterschätzt!

Seit einigen Jahren zeigen insbesondere amerikanische Studien sehr deutlich, dass ca. 30% der als Kind von ADHS Betroffenen noch im Erwachsenenalter deutliche Symptome zeigen, die sie in ihrer Lebensgestaltung erheblich beinträchtigen. Allerdings erfolgt meist ein Symptomwandel, was bedeutet, dass sich die ursprünglichen Symptome der ADHS im Erwachsenenalter verändern und dann oft ein komplexes Krankheitsbild entsteht, das das gesamte Spektrum der Psychiatrie erfassen kann.

ADHS bei Erwachsenen


Symptome:
Sie sollten sich als Erwachsener mit ADHS beschäftigen, wenn Sie die überwiegende Anzahl der Fragen mit deutlichen Ja beantworten können:

  • Haben Sie Schwierigkeiten, sich zu organisieren und sind sie häufig chaotisch?
  • Fällt es Ihnen schwer bei einem Gedanken zu bleiben und angefangene Tätigkeiten zu Ende zu führen?
  • Haben Sie immer wieder viele Ideen und fällt es Ihnen schwer, diese umzusetzen?
  • Wechseln Ihre Gefühle und Stimmungen sehr schnell?
  • Können Ihnen kleine Kränkungen die Laune verderben und können Sie schnell wütend und aufbrausend werden?
  • Handeln Sie häufig sehr spontan, ohne die Konsequenzen Ihrer Handlungen zu bedenken?
  • Sind Sie häufiger rastlos, unruhig, getrieben oder angespannt?
  • Haben Sie das Gefühl, dass Sie öfter unter Ihren Möglichkeiten geblieben sind?
  • Sind Sie schnell begeistert, aber haben dann Schwierigkeiten, bei dem Auftreten von Problemen Ihr Ziel im Auge zu behalten?
  • Fällt es Ihnen schwer, den Überblick zu bewahren und sich Struktur zu verschaffen?
  • Haben Sie diese Schwierigkeiten auch schon in der Kindheit gehabt?


Angelehnt an die Diagnostik der Kinder entwickelte Wender die „Wender-Utah-Kriterien“, die von der WHO autorisiert wurden.

1. Aufmerksamkeitsstörung:
Die Betroffenen können den Scheinwerfer ihrer Aufmerksamkeit nicht lange auf etwas richten. Der Scheinwerfer der Aufmerksamkeit ist, bildlich gesprochen, auf einem wackeligen Kugelgelenk montiert und bei der kleinsten Ablenkung bewegt sich dieser Scheinwerfer in Richtung des neuen Reizes. Das führt zu einer enormen Ablenkbarkeit, Vergesslichkeit, Sprunghaftigkeit und Zerstreutheit, die bei Kindern zu Schulproblemen und bei Erwachsenen zu Arbeitsstörungen führen. Sie vergessen sehr viel, machen viele Flüchtigkeitsfehler, sind vertrödelt und die meisten Betroffenen bleiben daher trotz guter Intelligenz weit unter ihren Möglichkeiten. Es werden deutlich schlechtere Schulabschlüsse erzielt als dies mit ihrer Intelligenz möglich gewesen wäre. Manchmal wird nicht einmal ein Schulabschluss erreicht, was die Lebenskarriere maßgeblich beeinträchtigt. Es fällt den Betroffenen schwer, gezielt Wissen abzurufen und so bringen sie inkonstante Leistungen. Erstaunlich ist aber, dass sich ADHS-Betroffene ganz hervorragend auf etwas konzentrieren können, was sie sehr interessiert. Hier können sie Höchstleistungen erbringen und man fragt sich oft, wieso manche Dinge so brillant gemacht werden können und so einfache, aber uninteressante Dinge einfach nicht bewältigt werden. So schwanken sie nicht selten zwischen „Null-Bock“-Haltung und „workaholic“.

2a. Motorische Hyperaktivität

Während die Kinder besonders bei ADHS noch die klassischen Zappelphilippe sind, nicht stillsitzen und sich nicht an Regeln halten können, zeigt sich die Symptomatik bei Erwachsenen diskreter. Sie haben gelernt, sich besser zu beherrschen, behalten aber ihre innere Unruhe; ihr Getriebensein, das Gefühl wie unter Strom zu stehen und nicht abschalten zu können, bei. Man bemerkt es nur noch an dem Wippen der Füße, den Fingern, die ständig in Bewegung sind und an irgendetwas herumspielen und dass man selbst etwas unruhig neben ihnen wird. Sie können nicht warten, müssen oft herumlaufen, weil Ruhe nicht aushalten.

2b. Verträumt, abwesend
Es gibt noch eine Sonderform, die wenig bekannt, aber trotzdem bedeutend ist. Besonders bei Mädchen zeigt sich diese Form der ADHS, nämlich die des unaufmerksamen Typs. Die Betroffenen wirken verträumt, abwesend, uninteressiert. Sie bekommen häufig etwas nicht mit, wodurch ihre Leistungsfähigkeit ebenfalls häufig beeinträchtigt ist. Sie sind im Klassenverband eher angenehm unauffällig, neigen dazu, sich schnell zurückzuziehen und zu resignieren. Sie haben im späteren Lebensalter ein hohes Risiko für die Entwicklung von Depressionen und Ängsten.

3. und 4. Affektlabilität und Impulsivität
Unter diesen beiden Begriffen versteht man, dass die Betroffenen ständig eine emotionale Achterbahn fahren von „himmelhochjauchzend bis zu Tode betrübt“. Sie leben quasi dauernd in Extremen. Auf kleinste äußere Begebenheiten reagieren sie emotional heftig, häufig auch überzogen. Da geht gerade die Welt unter, weil eine relativ harmlose Bemerkung eines Mitmenschen eine tiefe Kränkung verursacht, dann funktioniert der MP3-Player nicht, weil man vergessen hat die Batterien aufzuladen und schon fliegt er gegen die Wand. Wenn dann aber eine liebe Freundin anruft, ist die Welt wieder in Ordnung. Diese extrem schnellen Stimmungswechsel machen den Betroffenen, aber auch ihren Mitmenschen, sehr zu schaffen.
Die Impulsivität ist ein weiteres Problem. ADHS-Betroffene handeln blitzschnell aus dem Bauch heraus, überschießend - „erst gemacht, dann gedacht“. Es tut ihnen oft hinterher leid, dass sie wieder so extrem reagiert haben, aber sie bekommen in diesem Augenblick ihre heftigen Gefühle nicht unter Kontrolle. Es sind die alten HB-Männchen, die Hitzeblitze, aber auch die Menschen mit den zwei Gesichtern, von denen man alles haben kann, wenn sie gut gelaunt sind, die aber völlig ausrasten, wenn sie unter Stress kommen und gnadenlos ihre Gefühle in die Welt schleudern, wenn ihnen danach ist. („Mimosen mit Holzkeulen bewaffnet“).


Sie sind für sich selbst hyperempfindlich, aber überhaupt nicht zimperlich damit, sofort auszuteilen, wenn sie sich angegriffen fühlen. Es ist ein extremes Gefühlsleben, nicht selten im Ausnahmezustand. „Schwarz – weiß“ und es gibt nichts dazwischen. Die Mitte wird so nur  selten gefunden und sowohl  Frustrationen als auch Niederlagen werden schwer ausgehalten. Sie fangen schnell begeistert etwas an und bei der kleinsten Schwierigkeit verlieren sie die Lust. Dies führt oft dazu, dass sie immer wieder neue Jobs anfangen oder auch in Beziehungen schnell aufgeben, wenn es schwierig wird.

5. Chaos, Desorganisation
ADHS-Betroffene können schwer Ordnung halten, weil sie keine innere Struktur haben. Alles erscheint gleich wichtig und so können sie nichts wegwerfen, was durchaus auch bis zu einem „Messie-Dasein“ (engl. mess = Unordnung, Dreck, Schwierigkeiten) führen kann. Das Chaos um sie herum gleicht ihrem inneren Chaos. Sie finden wichtige Sachen in ihren Unordnungshaufen nicht, und sie haben keinen Überblick in ihrem Leben. Bei Frauen sind es die „Chaosprinzessinnen“, bei Männern die „zerstreuten Professoren“, denen man einfach alles hinterher tragen muss.

6. Schwierigkeiten am Arbeitsplatz, in der Schule und mit Mitmenschen
Bei all den oben aufgeführten Problemen ist es verständlich, dass es hier zu erheblichen Problemen kommen kann. Oft fühlen sich die Betroffenen gemobbt, weil sie mit ihrer Impulsivität und Stimmungsschwankungen anecken und die inkonstanten Leistungen führen zu erheblichen Problemen am Arbeitsplatz. Nicht selten erkranken auch die Partner und Angehörigen an Depressionen und psychosomatischen Erkrankungen, weil es sehr belastend ist, mit den täglichen Stimmungsschwankungen und dem Chaos umzugehen. Es zeigt sich eine Vervierfachung der Scheidungsrate, wenn ein Familienmitglied von ADHS betroffen ist. Erschwert wird dies durch die hohe Erblichkeit, so dass oft noch ein Kind zusätzlich betroffen ist, was die Probleme potenziert. In solchen ADHS-Chaos-Familien kann es in Stresssituationen  auch zu körperlichen Auseinandersetzungen kommen. Alleinerziehende sind sehr schnell an ihrer Belastungsgrenze, wenn sie alles alleine tragen müssen.

8. Schnelle Erschöpfbarkeit und Lustlosigkeit
Das Durchhaltevermögen und die Selbstmotivation können stark eingeschränkt sein, was zu schneller Resignation und Mutlosigkeit führt. ADHS-Betroffene besitzen erfahrungsgemäß einen riesigen „inneren Schweinehund“, den sie nur sehr schwer für Aufgaben überwinden können, die sie nicht interessieren.

9. Selbstzweifel
Vor diesem Hintergrund resultieren oft Selbstzweifel und ein mangelndes Selbstbewusstsein. In den meisten Biographien der betroffenen Patienten zeigt sich eine Ansammlung von traumatischen Erfahrungen. Die Kinder haben früh die Erfahrung gemacht, dass sie nicht lernen konnten, vergesslich waren und in der Schule schlechte Noten hatten. Waren sie auch noch hyperaktiv, haben sie meist Ablehnung von anderen erfahren und sind in eine Außenseiterposition geraten. Die vorherrschende Lebenserfahrung in der Kindheit war dann: „Ich bin dumm und werde abgelehnt“. Das ist keine gute Voraussetzung für die Entwicklung eines stabilen Selbstwertgefühls bis ins Erwachsenenalter hinein.

Weiterhin gibt es zahlreiche Komorbiditäten (Begleiterkrankungen), die die Symptomatik abermals verschärfen. Dazu gehören:

  • Leserechtschreibstörung
  • Rechenschwäche
  • Ticsyndrom ( Tourette-Syndrom)
  • Zwänge
  • Hohe Unfallrate (durch unüberlegtes Handeln)
  • Störung des Sozialverhaltens und oppositionelle Verhaltensweisen
  • Schlafstörungen
  • Suchtentwicklung
  • Essstörungen
  • Somatisierungsstörungen
  • Posttraumatische Belastungsstörungen


Viele der Komorbiditäten treten auf, wenn das ADHS nicht erkannt und auch nicht behandelt wird.
Im Erwachsenenalter zeigen sich erhebliche Risikofaktoren für seelische Erkrankungen. So leiden 30% der Erwachsenen, die von ADHS betroffen sind, unter Ängsten und Depressionen. Es besteht weiterhin ein hohes Risiko für eine spätere Suchtentwicklung. Bis zu 50% der Alkoholiker haben deutliche Hinweise auf eine schon in der Kindheit bestehende ADHS  (vgl. Heßlinger; Freiburg, Huss; Berlin, Krause) Es zeigt sich oft auch ein erheblicher Nikotinmissbrauch, da wahrscheinlich exzessiver Nikotinmissbrauch eine Art Selbstmedikation darstellt). Weiterhin zeigen sich vermehrt weitere Formen der Sucht: Esssucht, Kaufsucht, Kleptomanie, Spielsucht usw.

Komorbidität bei Erwachsenen AD/HS

Oft sind die Betroffenen sehr verschuldet, weil sie keinen Überblick über ihre Finanzen haben und sich keinen Plan über Einnahmen und Ausgaben machen können.

Betroffene neigen dazu riskant Auto zu fahren oder riskante Sportarten zu betreiben, weil sie gerne nach dem ultimativen Kick und nach Abwechslung suchen. Sie bleiben auch als Erwachsene unfallgefährdet. Es sind z.B. Menschen, die mit 200 km/h auf die Stoßstange des Vordermanns auffahren, weil dieser nicht rechtzeitig Platz macht.

Zusammenfassend kann man sagen, dass sich Probleme in den folgenden Bereichen zeigen:

  • Selbstorganisation, Selbstkontrolle
  • Zeitmanagement
  • Finanzmanagement
  • Beziehungsgestaltung, Kommunikation
  • Arbeitsorganisation
  • Teamfähigkeit
  • Kindererziehung
  • Straßenverkehr, Unfälle

Die Diagnose und die Kenntnisse über ADHS sind wichtig, weil herkömmliche Therapien, besonders psychoanalytische und aufdeckende Therapien bei ADHS nicht wirkungsvoll sind. Häufig handelt es sich bei den Patienten auch um so genannte Therapieversager, denn sie haben schon eine Odyssee von Behandlungen hinter sich. Weder Antidepressiva, noch Neuroleptika haben ihnen wirklich gegen Depressionen, quälende Unruhe, Chaos und Konzentrationsstörungen helfen können. Vielleicht haben sie das Krankheitsbild sogar verschlimmert, weil der Patient noch ein paar Baustellen mehr hat, aber immer noch keinen Überblick und keine Struktur im Leben. Notwendig ist ein Therapiekonzept, das auf die Problematik und die besonderen Probleme bei ADHS abgestimmt ist.

Im Erwachsenenalter zeigen sich also Krankheiten der Erwachsenenpsychiatrie, die ohne Kenntnisse der ADHS sich nicht einfach erschließen lassen und oft fehl behandelt werden. Es genügt nicht die Sucht oder die Depression zu behandeln, weil damit eben nicht das gesamte Spektrum der ADHS erfasst werden kann, sondern nur die Spitze des Eisberges, der aus dem Wasser ragt. Unter der Wasseroberfläche aber zeigt sich die ADHS als Phantom, das unbedingt bei der Therapieplanung mit berücksichtigt werden sollte. Häufige Fehldiagnosen sind Borderlinestörungen oder manisch-depressive Erkrankungen, bei denen auf jeden Fall das Vorliegen einer ADHS ausgeschlossen werden sollte.

Es handelt sich bei ADHS immer um eine Störung, die schon als Kind vorhanden war. Man muss dies aber genau erfragen und auch an Hand der Schulzeugnisse oder Befragung der Eltern versuchen herauszufinden, ob diese Störung bereits im Kindesalter nachweisbar war. Es gibt keine erworbene ADHS. Natürlich zeigt jeder Mensch Symptome einer ADHS, aber es geht darum, dass man dieses komplexe Syndrom zu großen Teilen und auch im ganzen Verlauf des Lebens erfüllt und es dadurch zu erheblichen Beeinträchtigungen kommt. Wichtig erscheint noch, dass die Mütter bzw. die Eltern keine Schuld haben und es sich nicht um einen Erziehungsfehler handelt. Oft sind die Eltern allerdings ebenfalls von einer ADHS betroffen (hohe Erblichkeit) und so fällt es ihnen besonders schwer, ihren Kindern Struktur zu geben und sie klar und konsequent zu erziehen. ADHS kann allerdings durch günstige Faktoren positiv beeinflusst werden. Hierzu zählen engagierte Eltern, die sich intensiv mit dem Krankheitsbild auseinandersetzten, die Stabilität geben konnten, berechenbar und geduldig waren und Ressourcen hatten , um das Kind zu unterstützen. Natürlich gibt es auch immer wieder die Situation, dass bei einer sehr stark ausgeprägten ADHS des Kindes die Eltern trotz allem Engagement nur bedingt positiv beeinflussen können. Ungünstige soziale Faktoren sind schwieriges Milieu,  überforderte, impulsive Eltern, Arbeitslosigkeit und Sucht in der Familie. Unter ungünstigen Bedingungen kann es auch zu kriminellen Entwicklungen kommen.

Nicht jede ADHS ist behandlungsbedürftig, sondern erst einmal ist ADHS eine besondere Art zu sein. In früheren Zeiten ebenso wie heute kann diese Art zu sein Vorteile haben. Es gibt Theorien von Thom Hartmann, dass die heutigen ADHS-Betroffenen die ursprünglichen Jäger waren, die in der Savanne Afrikas Antilopen gejagt haben, oft tagelang im Gras lagen, ihre Aufmerksamkeit überall hatten und dann plötzlich, wenn sie glaubten eine Antilope erspäht zu haben, blitzschnell und hochimpulsiv aufspringen konnten, um sie zu jagen.

Sie hatten dann den „Fernrohrblick" und ließen diese Antilope nicht mehr aus den Augen, bis sie sie erlegt hatten. Diese Hyperfokussierung war damals außerordentlich sinnvoll. Ein Jäger auf der Jagd durfte sich für nichts anderes interessieren, als für das Tier, das er gerade jagt. Nach der Jagd konnte er sich wieder so lange ins Gras legen, bis er wieder Hunger hatte. Leider gibt es heute viele Antilope, die noch dazu in andere Richtungen laufen und die Welt ist so komplex und vielschichtig geworden, dass die Eigenschaften des Jägers nicht mehr so gefragt sind. Behandlungsbedürftig wird ADHS erst, wenn es zu deutlichen Beeinträchtigungen in der Lebensgestaltung kommt, oder aber zu ausgeprägten  Begleiterkrankungen.
Betroffene sind sehr originelle, kreative Menschen, oft die unbequemen mutigen Vordenker, weil sie sich nicht an Regeln halten und alles in Frage stellen können. Es gibt viele erfolgreiche Menschen, die ADHS ohne Krankheitswert haben, als Normvariante im Sinne einer „bestimmten Art zu sein“. Wenn diese Menschen für sich die richtige berufliche Nische gefunden haben, sind sie häufig genial und unschlagbar in ihrem sprühenden Eifer und ihrem unermüdlichem Aktionismus. In den Medien oder als Computerfachleute finden wir sie häufig als high-functioning ADHS-Betroffene, sehr geschätzt aber anstrengend für ihre Mitmenschen.

ADHS ist immer wieder ein Phänomen, das sich zwischen Genie und Versagen bewegt, übergangslos vom hochbegabten „zerstreuten Professor“ oder dem eloquenten Entertainer bis hin zu einem schwer gestörten chaotischen und gescheiterten Menschen, der an seinen vielen Misserfolgen zerbricht. Es gilt grundsätzlich die vielen positiven Eigenschaften der ADHS zu entwickeln. Ihre Sprunghaftigkeit ist gleichzeitig ihre kreative Art, ihre Unberechenbarkeit gleichzeitig auch ihre Flexibilität. Ihr Risikoverhalten auch ihre Neugier. Diese positiven Seiten machen ADHS-Betroffene zu besonderen und verhaltensoriginellen Menschen, ohne die unsere Welt ärmer wäre.

Behandlungsbedürftig wird das ADHS immer erst, wenn es zu erheblichen Schwierigkeiten im Arbeits- oder Beziehungsbereich kommt oder eben bei Depressionen und Suchtentwicklung. Deswegen ist es nötig, ganz besondere Therapieprogramme anzubieten, eventuell auch eine Stimulanzientherapie, die sich seit 60 Jahren bei den ADHS-Kindern bewährt hat. Hier zeigen sich auch neue Ansätze bei der Suchttherapie.

Konsequenzen der ADHS können im Laufe des Lebens folgende sein:

  • Schlechtere Schulnoten
  • Schlechtere Schul- und Bildungsabschlüsse
  • Erhebliche Selbstzweifel und schlechtes Selbstwertgefühl
  • Außenseiterposition
  • Häufige Arbeitslosigkeit
  • Häufigere Ehescheidungen und Beziehungskonflikte
  • Frühe Schwangerschaften
  • Kriminalität
  • Suchterkrankungen
  • Familienmitglieder, die auch an anderen seelischen Erkrankungen durch die Belastung erkranken
  • Suchtentwicklung
  • Viele Misserfolge, Enttäuschungen und Scheitern