Ausbildung und Berufswahl

Ausbildung, Berufswahl bei ADHS

ADHS hat als "besondere Art zu sein" ganz besondere Fähigkeiten, aber auch besondere Schwächen. Alles hat im Leben Licht und Schatten und so ist es für ADHS-Betroffene gut, wenn sie ihre Stärken und Schwächen genau kennen lernen.

Leider ist es aber immer noch häufig, dass ADHS-Betroffene mit ihren Schul- und Berufsabschlüssen unter ihren Möglichkeiten bleiben. Das kann bedeuten, dass der Intelligenzquotient und das eigene Potential eigentlich viel höher liegen als der erreichte Abschluss. Das passiert deshalb, weil durch die Aufmerksamkeits- und Konzentrationsstörung in der Schule immer wieder Fehler gemacht werden, sich Flüchtigkeitsfehler häufen und die schlechte Selbstorganisation auch zu vielen Misserfolgen führt. Falsch ist falsch und es wird der Fehler genauso gewertet, ob es ein achtloser Flüchtigkeitsfehler war oder der Stoff überhaupt nicht begriffen wurde.

So mancher ADHS-ler versaut sich die Noten alleine mit diesen Flüchtigkeitsfehlern. Wenn man dann noch hyperaktiv und impulsiv ist und immer das letzte Wort haben muss, dann verspielt man auch alle Sympathien der Lehrer, die dann im Zweifelsfalle noch die schlechtere Note geben. Das mag der ADHS-ler natürlich ganz ungerecht empfinden, aber auch Lehrer sind Menschen und Sympathien spielen imLeben immer eine große Rolle. Wenn man sich auf die Position des Klassenclowns und Störenfrieds eingeschossen hat, denn sind Lehrer entsetzlich genervt und ungehalten und natürlich dann auch nicht immer gerecht und objektiv. Hinzu kommt dann die Motivationsstörung beim Vorliegen einer ADHS. Das ist dann dieser große innere Schweinehund, der so schwer für all die Pflichten und Ausgaben in  Gang zu setzen ist, wenn diese keinen Spaß machen. Betroffenen fällt es ja auch schwer angefangene Aufgabe konzentriert und vollständig zu Ende zu bringen. Und dann kommt noch die Sprunghaftigkeit, der flüchtige und oberflächliche Arbeitsstil und die Vergesslichkeit, die auch noch das leistungsvermögen deutlich beeinträchtigen.

Häufig haben ADHS-Betroffene auch nur wenig Selbstwertgefühl, weil sie weniger Erfolge hatten als ihre Mitmenschen und häufiger Kritik und Scheitern ausgesetzt waren. Selbstzweifel übertragen sich leider auch auf andere.

Andererseits können ADHS-ler manche Dinge auch ganz besonders gut.

ADHS-ler sind kreative Menschen, die sehr begeisterungsfähig sein können, hoch engagiert, wenn das Ziel ihres Einsatzes sie interessiert. Sie können originell, witzig und neugierig sein. Außerdem sind sie flexibel, schnell und innovativ.

Ohne ADHS-ler wäre eben unsere Welt ein Stück ärmer. ADHS-ler können auch einen großen Gerechtigkeitssinn entwickeln und wie die Löwen kämpfen. Jeder Firma, jeder Betreib  braucht ADHS-ler, weil sie deren Ideen und Originalität brauchen, aber eben auch nicht zu viele davon, weil sie sonst im Chaos versinkt!

So liegen die Stärken von ADHS im kreativen Bereich, in der Entwicklung von neuen Ideen,  der originellen Umsetzung, der Spontanaktionen und im Bewegungsbereich. ADHS-ler können eine Fülle von Ideen haben und ein wahres Feuerwerk von Einfällen abbrennen, aber sie haben Schwierigkeiten mit der Umsetzung, mit Genauigkeit, Zuverlässigkeit und dem richtigen Timing. ADHS-ler können ihre tollen Einfälle oft so schwer umsetzen, weil das braucht Beharrlichkeit, Genauigkeit, Stabilität und Kontinuität.

ADHS-ler können aber z.B gut im Medienbereich arbeiten, weil es da immer um neue Nachrichten geht, die man nicht allzu vertiefen muss. Sie können gute Rettungssanitäter sein, sich im künstlerischen Bereichen verwirklichen oder aber auch soziale Berufe machen, wo sie sich für Menschengruppen selbstlos einsetzen, die ihnen am Herzen liegen.

Was sie nicht gut können sind langweilige, monotone Tätigkeiten, die Genauigkeit, Selbstdisziplin und Durchhaltevermögen erfordern. Alles was langweilig ist, macht ADHS-lern große Probleme, ebenso wie das minutiöse, detailversessene Abarbeiten von langweiligen Tätigkeiten.

Als ADHS-ler brauchst man ein Maß an Freiheit und Kreativität, aber genauso wichtig ist es Strukturen und Kontrolle. zu haben. Es ist für ADHS-ler immer eine Gefahr, wenn sie sich selbst überlassen sind, in den Tag hinein leben und niemand ihnen etwas abverlangt. Je weniger Struktur von außen da ist, desto größer wird die Motivation-und Antriebsstörung. Für Selbständige, die sich selbst Takten müssen ist das oft ein großes Problem, ebenso wie für Hausfrauen oder Arbeitslose. Obwohl Selbstständigkeit sehr verlockend ist, fällt es dem ADHS-ler hier oft schwer sich um Formalitäten und Geschäftsabläufe zu kümmern und so mancher ADHS-ler ist da schon mit glänzenden Ideen Konkurs gegangen, weil er sich um so Nebensächlichkeiten wie Steuererklärungen, Umsatzsteuer und Rechnungen  bezahlen, einfach nicht gekümmert hat. ADHS-ler mögen keine Fremdbestimmung, aber sie sind gleichzeitig davon abhängig, dass sie gefordert werden und Grenzen erfahren.

Bei der Berufswahl sollte Sie zu allererst danach schauen, wo die eigenen Begabungen liegen und was ihnen wirklich Spaß macht und Sie interessiert. Mehr als jeder andere ist der ADHS-ler von dem eigenen brennenden Interesse abhängig, denn nur dann kann er brennen und sich begeistern und dann auch Höchstleistungen erbringen. Wenn möglich sollten Sie nach einer Ausbildung suchen, die eher streng ist, klare Vorgaben macht und wo regelmäßige Lernkontrollen angesagt sind.

Im Allgemeinen sind für ADHS-ler Fachhochschulen besser, da sie viel mehr Strukturen haben. Fachhochschulen sind auch kleiner und die Professoren kennen meist ihre Studenten noch und es bestehen persönlichere Beziehungen. Es gibt nicht so eine Anonymität und die Präsenzpflicht wird ernster genommen. In einer großen Universität, wo Hunderte von Studenten in einem Fachbereich anfangen und wo selbst am Anfang eines Semesters kaum ein Sitzplatz zu ergattern ist, besteht für ADHS-Betroffene die größere Gefahr, dass sie doch entschlossen im Bett liegen bleiben und den leichteren Weg suchen.Und da die meisten ADHS-ler sich immer wieder in der Kunst der Selbstausreden üben, finden sie immer wieder ein für sie schlagendes Argument, warum man gerade heute nicht auf die Uni muss. Ein gewisses Mass von Zwang und Regeln brauchen ADHS-Betroffene und es ist besser, wenn Sie sich das eingestehen.

Auch in den Schulen ist es von Vorteil, wenn die Klassen klein sind und die Lehrer einen spannenden Unterricht machen. Am besten sind strenge, aber gerechte Lehrer, denn mit Zwang und Kontrolle geht es für ADHS-ler einfach besser.

ADHS-ler sind auch öfter Spätzünder und so kann es sein, dass die Schul- und Berufsausbilder nicht gradlinig läuft, sondern eher öfter die Schule gewechselt wird und mehrere Ausbildungen angefangen werden. Andererseits sind ADHS-Betroffene auch wahre Stehaufmännchen, die wie Phönix aus der Asche nach vielen Misserfolgen doch noch erfolgreich durchstarten können und in der Lage sind, Frühstarter um Längen zu schlagen. Nur verlassen kann man sich nicht darauf.

Wichtig ist, dass ADHS-ler Selbstdisziplin und Durchhaltevermögen lernen. Das klingt zwar ziemlich langweilig, aber man lebt deutlich besser damit. Misserfolge und Niederlagen gehören zum Leben und die erfolgreichen Menschen sind nicht die, die nie gescheitert sind, sondern die die immer wieder aufstehen und ihre Ziele nicht aus den Augen lassen.